Kita-Neubau: Trägerwechsel durch die Hintertür?

 

Der Ausschuss für Schulen, Soziales, Sport und Kultur hat in seiner letzten Sitzung den Neubau eines zweigruppigen Kindergartens in der Kernstadt in der Nähe des geplanten Baugebietes "Römergärten" beschlossen. Eine mögliche Erweiterung auf bis zu vier Gruppen wird bei der Errichtung direkt mit eingeplant. Ein Investor soll den Neubau errichten, ein freier Träger (DRK, AWO etc.) diesen betreiben.

 

 

Die JA-Fraktion hat aus folgenden Gründen gegen die Vorlage gestimmt:

 

Noch 2013 wurde für Zülpich das große Kita-Sterben prophezeit, insbesondere für die eingruppigen Kindergärten in den Ortschaften gab es kaum Überlebenchancen. Der Kindergarten in Schwerfen wurde sogar schon in der Presse als zukünftige Flüchtlingsunterkunft verkündet!

 

Es wurden wegen des demographischen Wandels sinkende Kinderzahlen prognostiziert, diese Zahlen haben sich jedoch als falsch herausgestellt. Gleichzeitig trägt der wachsende Bedarf in der U3-Betreuung zur Schaffung weiterer Kita-Plätze bei. Deshalb wurde vor einigen Jahren bereits ein zweigruppiger Kindergarten in der Kernstadt neu gebaut, mit einem privaten Investor und auch einem freien Träger (Käpt'n Browser).

 

Nicht außer Acht zu lassen in dieser Diskussion ist der Kampf vieler Eltern um die Trägerschaft der städtischen Kindergärten, die zuletzt 2013 mit einem erfolgreichen Bürgerbegehren die Abgabe an einen freien Träger verhindern konnten. Auffällig ist jedenfalls die Freimütigkeit, mit der die Verwaltungsspitze und große Teile der Politik den Neubau von Kitas vorantreiben und gleich noch einen möglichen Ausbau der Gruppenstärke vorsehen.

 

Rechnet man die optionalen Gruppen dazu, so wird hier eine Gruppenstärke durch freie Träger bereitgestellt, die über Jahrzehnte den gesamten Bedarf an Kita-Plätzen in Zülpich abgedeckt hätte. Es ist deshalb zu befürchten, dass mittelfristig die städtischen Kitas auf den Ortschaften ohne Not ausbluten werden. Dies wird mit Blick auf sinkende Personalkosten möglicherweise sogar billigend in Kauf genommen. Mit etwas mehr Herzblut hätte man die benötigten Plätze auch durch Erweiterung eines städtischen Kindergartens bereitstellen können.

 

Parallel zu einem immer stärker auftretenden Mangel an Fachpersonal verlieren wir dann in einigen Jahren unseren Standortvorteil bei der Personalsuche durch die Dominanz an freien Trägern, die in aller Regel bereits heute durch hohe Personalfluktuation und Mangel an Fachpersonal auffallen. Wir hoffen jedenfalls, dass dieser Beschluss und die erneute Beauftragung eines freien Trägers nicht der Anfang vom Ende qualitativ hochwertiger Kindergärten in Zülpich ist.