Ratsbürgerentscheid: Lösung für die Zukunft vertagt

Am 27.09.2015 haben die Zülpicher entschieden, vorerst keine Gesamtschule zu gründen und an Haupt- und Realschule weiterhin Eingangsklassen zu bilden.

 

Das Votum ist für zwei Jahre bindend, sofern keine rechtlichen Gründe dagegen sprechen. Dies wäre der Fall, wenn die Hauptschule keine zwei Eingangsklassen mehr bilden kann.

 

Als langjährige Verfechter von Bürgerbeteiligung muss man auch sagen dürfen, wenn diese gründlich schief gelaufen ist. Nicht etwa, weil einem das Ergebnis nicht passt, sondern weil verschiedene Faktoren eine sachgerechte Entscheidung verhindert haben.

 

Kritiker werden jetzt mangelnde Informationen seitens Politik und Verwaltung anführen. Doch ausgerechnet die Infoveranstaltung im Forum hat den neutralen Beobachter völlig in die Irre geführt. Das Bild in der Öffentlichkeit wurde gefestigt, dass sich die Zülpicher einfach nur zwischen dem bewährten System und dem Unbekannten entscheiden müssten. Bestärkt wurde dieser Effekt durch eine teils naive Presseberichterstattung.

 

Als Fehler muss man es jedoch bezeichnen, den Ratsbürgerentscheid schließlich unter Zeitdruck herbeigeführt zu haben. Ein Abstimmungsheft ohne Stellungnahmen der Fraktionen hätte so nicht akzeptiert werden dürfen, da so Fehlinformationen die Meinung bestimmt haben.

 

Das Problem der Hauptschule ist nach wie vor ungelöst. Eines der beiden Szenarien wird daher eintreten:

1.) Es kommt keine zweite Eingangsklasse zustande, was automatisch zum Auslaufen der Schule führt. In diesem Fall hätten wir ab Klasse 5 keine Ganztagsschule mehr in Zülpich, mit der Gefahr weiterer Auspendler. Die Realschule muss sich für Hauptschüler öffnen, wird de facto zur Sekundarschule.

2.) Die Stadt Euskirchen schickt uns als zuständige Hauptschule ihre Schüler, die sie nicht beschulen wollen oder können. Damit kann die Hauptschule weiterhin Eingangsklassen bilden, das Klientel in und auch außerhalb(!) der Schule wird jedoch ein anderes sein.

 

Deswegen haben hier nicht „ein paar Ideologen“ eine Veränderung herbeiführen wollen, sondern bisherige Skeptiker von Gesamtschulen.

 

Völlig ratlos lässt uns das Verhalten der Grünen zurück. Während Grüne auf allen Ebenen für Gemeinschaftsschulen und Ganztagsbetreuung eintreten, befürworten sie hier eine verkappte Sekundarschule, die von ihren Parteifreunden ansonsten als „Restschule“ verteufelt wird. Das verstehe wer will, alles Andere wird die Zukunft zeigen.